Es steht erst einmal ein Hafentag auf Jungfruskär, der Perle der finnischen Schären (wie sie auf Schildern angepriesen wird), auf dem Plan. Und in der Tat ist hier ein wunderschönes Naturreservat: die ganze Insel ist von einem üppigen Blumenteppich bedeckt, dort wo alte Kulturlandschaft mit Obstbäumen in Blumenwiese übergeht. Nur die Mücken, die schon am Vormittag in Höchstform sind, machen uns das Leben ordentlich schwer und wir staunen über die finnischen Touristen, die mit T-Shirts und kurzen Hosen keinerlei Probleme mit dem Ungeziefer zu haben scheinen. Sind die so abgehärtet?
Wunderschöne alte Obstwiese auf Jungfruskär
Die üppigen Blumenteppiche, so weit im Norden gibt es noch viele Frühlingsblumen zu sehen
Da es hier nicht nur eine Insel, sonder eine kleine Inselgruppe gibt, statten wir am Nachmittag einer der anderen Inseln mit dem Schlauchboot einen Besuch ab. Sie ist vollkommen anders: ganz karg und felsig, viel kleiner und vollkommen verlassen. Nur einen Blumengarten in einem Heringsfass finden wir einfach so mitten in der Landschaft. Kunst!?
Das einsame Kunstwerk auf der vollkommen verlassenen kleinen Nebeninsel …
… die ansonsten eher von Kargheit und Gestrüpp geprägt ist
Am Tag drauf geht es zurück zu den Ålands nach Hellsö, einem Hafen auf Kökar. Wir kennen auch Kökar von einem früheren Besuch, waren damals jedoch in einem anderen Hafen. Der Hafen von Hellsö scheint noch nicht so wirklich geöffnet zu sein, denn das Hafenbüro ist nicht besetzt und einer der beiden Stege ist nicht mit dem Land verbunden. Einzig einen SB-Flohmarkt gleich am Stegende gibt es, sonst wirkt alles ziemlich ausgestorben – na gut, dann können wir ja vielleicht zumindest kostenlos liegen. Wir beobachten, wie einige junge Kerle per Schlauchboot herankommen und den Flohmarkt unsicher machen und den Eindruck machen, Langeweile zu haben und Unfug im Sinn – und während wir noch scherzen, dass ja einer von ihnen auch versuchen könnte, sich als Hafenmeister auszugeben um uns abzukassieren kommt doch tatsächlich einer von den Jungs ziemlich verstohlen und verdruckst zu uns und möchte Geld von uns. Soso… nun ja, aber es scheint alles seine Ordnung zu haben: auch wenn der Kerl so gar nicht wie ein Hafenmeister auftritt, gibt er uns auch eine Quittung und verrät uns, dass es im gleich daneben gelegenen Ferienhausdorf auch Sanitärgebäude gibt. Das hören wir nur zu gerne und gönnen uns erst einmal eine schöne heiße Dusche.
Die Silhouette von Karlby mit den unverkennbaren roten Gebäuden
Wir bleiben auch einen Tag und packen erst einmal die Fahrräder aus, denn die Insel ist zu groß, um sich zu Fuß zu bewegen. Unser erstes Ziel ist Karlby, der Hafen, den wir schon kennen – denn dort gibt es einen Supermarkt, der später am Tag öffnen wird. Wir vertreiben uns die Zeit mit einer Wanderung auf einem markierten Wanderweg, den wir zufällig entdecken (davon gibt es hier nicht allzu viele) und der uns durch eine mal wieder wunderschöne Landschaft schickt, die sich wie üblich in subtiler Weise von allen anderen Inseln unterscheidet. Außerdem führt der Pfad zu Überresten bronzezeitlicher Siedlungsreste und wir sind beeindruckt, welche Distanzen die Menschen schon damals für die Jagd zurückgelegt haben – so kamen die Menschen, deren Spuren wir sehen aus dem Baltikum, und das auch immer wieder über viele Jahre.
Immer wieder sieht man geschmückte Briefkästenreihen, aber nie so schöne wie hier auf Hellsö
Wandern auf Hellsö
Es folgen die üblichen Besorgungen und dann sind wir froh nach einem Tag üppiger Sonne auf den Kopf zurück an Bord zu sein – man kann es ja schon schwer haben, nicht wahr? Es wird noch der SB-Flohmarkt unsicher gemacht und dann ruft die Koje, denn morgen steht der Schlag nach Gotland auf dem Plan.
Abendstimmung auf der Überfahrt nach Fårö, mal wieder ein traumhafter Sonnenuntergang!
Wir wollen diesmal nach Fårö, der kleinen Insel gleich bei Gotland und das geht nur mit einer Nachtfahrt. Während wir am ersten Tag noch halbwegs segeln können, doch zu Nacht hin verlässt der Wind uns und kehrt auch trotz stundenlangen Ausharrens nicht zurück. Also müssen wir den Rest der Strecke motoren, was etliche Stunden dröhnenden Motor bedeutet. Wir können es nicht mehr hören. Am Nachmittag des zweiten Tages kommen wir dann in Lauterhorn an und sind ziemlich durch – aber immerhin bekommen wir heraus, dass im nächsten Ort in 5 km Entfernung schon einmal kein Kaufmann ist und wir noch einige Kilometer weiter nach Südersand müssen. Dann wissen wir ja, was morgen auf dem Plan steht…
Es ist wenig Wind vorhergesagt und das ist ja wesentlich besser als Gegenwind, also nutzen wir die Chance, zu den Åland-Inseln zu motoren. Unser erstes Ziel muss natürlich ein Hafen sein, denn wir brauchen ja Landstrom, um die Batterien zu laden: die Spannung reicht schon wieder nicht mehr, um den Kühlschrank zu betreiben. Nach einer gefühlten Ewigkeit unter dröhnendem Motor kommen wir endlich im Osthafen von Mariehamn an, im gleichen Hafen wie auch schon das letzte Mal im Charterurlaub. Und wieder sind wir außerhalb der Saison da und der Hafen ist offiziell eigentlich noch geschlossen, was sich in jeder Hinsicht als vorteilhaft erweist: wir liegen kostenlos, der Hafenmeister schaut nur sehr sporadisch mal rein, gibt uns aber per Handy den Zugangscode zum Sanitärgebäude, so dass wir freien Zugang zu Duschen und Waschmaschinen haben. Was will man mehr?
Klettertour mitten in Mariehamn, zwischen den Bäumen blitzen die Masten der “Pommern” hindurch
Und hier ist sie noch einmal in ihrer ganzen Pracht
Am nächsten Tag, einem Sonntag, finden wir zunächst heraus, dass der Supermarkt erst um 11 Uhr öffnet (aber immerhin) und vertreiben die Zeit bis dahin mit Wäschewaschen. Das kommt uns gerade schon sehr gelegen. Später steht eine Runde durch die Stadt auf dem Plan (die ganz charmant ist und eher schwedisch als finnisch) mit den üblichen Besorgungen und auch einem Besuch im anderen Hafen (dem Westhafen), inklusive einer Stippvisite auf der “Pommern”, die dort als Museumsschiff über die P-Liner und ihre Geschichte informiert, und einer leckeren Pizza auf der Hafenpromenade. Viel mehr Zeit wird uns auch nicht bleiben, Mariehamn zu erkunden, denn die Wetteraussichten sind schön und wir ziehen am nächsten Tag weiter.
Auf dem Weg nach Degerby – eine Begegnung mit einem etwas traditionelleren Segler und einer der allgegenwärtigen Fähren
Der Törn zu unserem nächsten Ziel Degerby, welches wir erstmalig besuchen, ist zur Abwechslung mal wieder sehr schön. Erst achterlicher Wind, dann aufkreuzen bei guten Bedingungen – und all das inmitten einer wunderschönen Insellandschaft, die immer in Sichtweite bleibt und durch ein in der Sonne leuchtendes rötliches Gestein geprägt ist. Degerby dann ist einfach nur kultig finnisch: die beiden anderen Boote im Hafen haben mehr oder minder alkoholisierte Herrencrews an Bord, die dennoch nicht durch übles Benehmen glänzen und der Hafenmeister sieht nicht nur unvergleichlich finnisch aus, sondern hupt uns dann auch noch ganz entspannt zu seinem schwimmenden Büro (einem Boot im Hafen) heran und erkundigt, sich, ob er denn die Damendusche in Betrieb nehmen solle. Es kommen wohl nicht so viele Crews mit weiblichen Mitgliedern hierher so früh in der Saison!? Wir fühlen uns bei so viel finnischem knorrigem Charme jedenfalls pudelwohl!
Zweifellos, wir sind in Degerby
Am nächsten Tag dann Besorgungen und Inselerkundung. Der Teil mit den Besorgungen gestaltet sich gut: das Insellädchen (wie es heißt, eines der besten in den gesamten Åländer Schären) ist in der Tat ungewöhnlich gut sortiert. Der Teil mit der Erkundung verläuft dann leider eher im Sande, denn Wanderwege scheint man nicht so recht zu kennen und wir finden überhaupt keinen Zugang zur Natur. Schade, denn die Insel ist nicht klein und wäre sicher reizvoll.
Dieses nicht zu übersehende Schild markiert ganz deutlich die Einfahrt zum “Glada Laxen”
Da der Hafen recht teuer ist und die Insel dann doch nicht viel hergibt, brechen wir am nächsten Tag zum anderen unbedingten Wunschziel in diesem Urlaub auf, das wir ebenfalls bei einer früheren Gelegenheit entdeckt hatten: der Gasthafen auf der Insel Bärö. Dort betreibt Herr Henrik Glada Laxen (nein, er heißt nicht wirklich so) in einer aufgegebenen Küstenwachstation einen kleinen Gästehafen mit kleiner Pension und kleinem Restaurant, namens (Überraschung!) “Glada Laxen”. Henrik ist außerordentlich nett und zuvorkommend, hilft uns auch beim Anlegen und ist auch ansonsten in jeder Hinsicht ein sehr sympathischer und zuvorkommender Gastgeber. Die Liegegebühren sind mit 15€ sehr moderat, die Duschen sind ein Traum und funktionierendes WLAN gibt es auch noch! Ach ja, und man mag es kaum glauben, aber wir haben wieder einen ganz wunderbaren Segeltag auf dem Weg dorthin – inklusive Ablegen unter Segeln! Diesen Tag krönen wir mit einem leckeren Abendessen im Restaurant, wo sich heute Abend alle Gäste im Hafen und der Pension einfinden. Fein!
Blick vom Wachturm über das kleine Hafenbecken, rechterhand die Pension + Restaurant
Diese aus europäischen Mitteln zur Kulturpflege finanzierte schwimmende Tonnensauna gehört auch dazu, ist aber am Besten außerhalb der Saison zu nutzen. Und dann richtig toll!
Es ist so nett auf Bärö, dass wir natürlich noch bleiben, denn auch die Insel ist sehr reizvoll. Am nächsten Morgen brechen wir noch vor dem Frühstück auf Erkundungstour auf, denn wir haben gehört, dass auf der Insel 9 Elche leben und man morgens die besten Chancen habe, einen zu Gesicht zu bekommen. Also erkunden wir den südlichen Teil der Insel (teilweise auch mit markiertem Wanderweg) – Elche bekommen wir leider nicht zu sehen, nur ihre Hinterlassenschaften und Spuren, aber das ist auch nicht schlimm, denn die Insel ist auch so wunderschön. Zurück an Bord haben wir uns ein üppiges Pfannkuchenfrühstück aber auch verdient! Auch den Rest des Tages lassen wir es uns gut gehen, erkunden am Nachmittag den Nordteil der Insel (recht unzugänglich) und machen es uns ansonsten an Bord gemütlich. Ein rundum gelungener Tag!
Morgentour auf Bäro über Stock und Stein und wunderschöne Felsen
Und noch ein Ausblick über eine der zahlreichen kleinen Buchten
Eigentlich wollen wir gar nicht weg, aber man kann ja nicht ewig bleiben, also geht es am nächsten Tag weiter. Zunächst kurz nach Enklinge, der Insel gegenüber, wo es einen kleinen Supermarkt für die Handvoll Bewohner und Feriengäste gibt. Der Markt wäre eigentlich heute geschlossen, aber da Henrik der beste Kunde ist, ruft er kurzerhand den Besitzer Markku an, der sagt dann zu, für uns aufzumachen. Das ist vielleicht ein Ding! Wir machen also die 1,3 nm nach Enklinge rüber und finden gleich am Hafen einige Fahrräder zur freien Verwendung. Da schwingen wir uns gleich drauf und finden auch bald den Laden – leider noch geschlossen. Macht nichts, wir erkunden einfach weiter die Insel und stoßen auf eine Art Heimatmuseum, wo wir eine sehr nette und interessante persönliche Führung zum Leben der Menschen auf der Insel früher erhalten – es gibt dort einen noch vollständig im Originalzustand befindlichen Bauernhof und man kann sich gut vorstellen, wie karg und entbehrungsreich das Leben einmal war. Im Museum findet Markku uns auch (“Ihr seid doch die aus Papenburg, oder?”) und so verlassen wir Enklinge nach nur kurzer Zeit aber um einige schöne Erinnerungen an echte menschliche Momente reicher. Nun aber weiter nach Jungfruskär, unserem eigentlichen Ziel für heute. Die Insel gehört schon “so richtig” zu Finnland und liegt ganz im Westen eines Naturreservats. Der erste Eindruck ist sehr hübsch, nur die zunehmende Mückenzahl treibt uns unter das Moskitonetz – heute setzen wir keinen Fuß mehr auf die Insel! Aber immerhin, wir haben es hiermit bis nach Finnland geschafft!
Als nächstes haben wir uns eine Bucht in den Außenschären vorgenommen, wo die Natur viel karger und rauher aussieht, aber kein Bisschen weniger reizvoll ist. Unser Ziel nennt sich Inre Hamnskär und bietet guten Schutz vor Winden aus S und W. Wir erwarten eine Winddrehung nach W und suchen uns einen entsprechenden Ankerplatz bei beeindruckenden 6 m Wasser unter dem Kiel, während der Bug an Land stößt. Dumm nur, dass die erwartete Winddrehung ausbleibt und statt dessen vollkommen anderer Wind kommt. Da hilft auch Umlegen nichts, was wir wohl oder übel versuchen, denn der Wind dreht immer weiter bis auf NE und nun sind wir vollkommen ungeschützt. Hoffen wir also mal, dass er nicht stärker wird und Heckanker und Bugleine uns halten können. Und wieso muss jetzt eigentlich noch dichter Nebel aufziehen, damit man erst recht nicht mehr aus diesem Labyrinth rauskommt?
Inre Hamnskär – bevor …
… und nachdem der große Nebel kam
Wir finden nicht viel Schlaf und am nächsten Morgen zieht neuer Nebel auf, kaum dass wir uns freuen wollten, dass er sich in der Nacht verzogen hatte. Wir versuchen, etwas Zeit mit einer Inselerkundung herumzubringen und stiefeln über Stock und Stein – als Deutsche sind wir ja gewohnt, dass es überall dort, wo noch ein Flecken Natur zu finden ist, auch Wanderwege angelegt sind, um all jenen, die ins Grüne wollen, zu zeigen wo es lang geht. Tja, da es hier aber Natur im Überfluss gibt und zugleich nur (relativ) wenig Menschenandrang, ist es jedem selbst überlassen, einen Weg zu finden – und das ist manchmal gar nicht so einfach.
Dann geht es aber weiter nach Furusund, Nebel hin oder her. Beeindruckend nur, wenn man ziemlich blind unterwegs ist und auf einmal von hinten eine der großen Fähren mit lautem Motorendröhnen aufkommt, um sich dann ziemlich plötzlich nur wenige Meter neben einem als hohe Wand aus dem Dunst zu schieben. Außerdem kommt Wind aus NW auf und wir kommen noch gerade rechtzeitig im dafür günstigen Furusund an, bevor es ganz ungemütlich wird. Der Hafen ist noch geschlossen, dafür liegen wir kostenlos und im Ort (falls man davon überhaupt sprechen kann) befindet sich eine der wenigen Einkaufsmöglichkeiten in den Schären (bei der Tankstelle).
Den nächsten Tag verbringen wir bei Sauwetter in Furusund – bei reichlich Wind vermeintlich eine gute Gelegenheit, die vor der Abreise nur notdürftig fertiggestellte Regelelektronik des Windgenerators zu überarbeiten. Eine ungünstige Verkettung von Umständen führt jedoch leider dazu, dass zuerst die Platine vom Windgeneratorregler in Brand gerät und dann auch noch unser großes Batterieladegerät einen Überspannungsschaden erleidet – und wir damit unsere Hauptmöglichkeit, die Batterien zu laden, verlieren!
Am Tag drauf ziehen wir weiter durch den Blidö-Sund in die Bucht von Träskö-Storö und die nächste Unglücksmeldung verhagelt uns das eigentlich schöne Segeln dorthin: mit der 24V-Lichtmaschine am Motor stimmt etwas nicht und damit ist auch unser Plan B zum Batterieladen sehr in Frage gestellt. So ein Mist! Dafür ist die Insel sehr schön: früher war sie besiedelt, nun sind Blumenwiesen an Stelle der alten Felder und dazu gibt es noch eine für jeden frei benutzbare Sauna. Holz zum Anfeuern liegt bereit, wer mag kann auch welches nachhacken. Und in der Bucht kann man sich dann zwischendurch abkühlen mit absolut unschlagbarer Aussicht über den abendlichen Schärengarten. Da sind wir doch glatt ein wenig versöhnt. Weil es hier so schön ist, bleiben wir noch einen Tag und gehen auf große (und ziemlich sportliche) Erkundungstour im felsigeren Teil der Insel. Wir fangen ganz viel wilden Bärlauch und können außerdem beobachten, dass die Bucht sich mit einem Dutzend Boote füllt – nun ja, es ist Christi Himmelfahrt und das heißt wohl auch in Schweden langes Wochenende. Noch dazu ist diese Bucht eine der wenigen, die Schutz vor dem Nordwind bietet und richtig schön ist es außerdem; kein Wunder also, dass nicht wenige hier Schutz suchen.
Die aufgegebenen landwirtschaftlichen Flächen haben sich in Blumenwiesen verwandelt
Sauna mit Badesteg
Abendstimmung auf Träskö-Storö
Ausblick vom Inselberg
Eigentlich wollten wir noch einen Tag bleiben, bis Wind aus W uns zu den Ålands schiebt doch erstes kommt es ja anders und zweitens als man denkt. Die Wettervorhersage hat es sich anders überlegt, also suchen wir uns eine neue Bucht, die ein günstigerer Absprungort für die Überfahrt ist.
Rödlöga / Megelskär
Es geht wieder in die Außenschären, diesmal zur Rödloga-Gruppe; wir machen an Megelskär fest, was eine Insel von der Sorte ‘klein aber fein’ ist und außerdem über eine neue Steganlage verfügt. Wir sind hier schön geschützt vor dem nördlichen Wind (kalt!) und erfreuen uns an der Kargheit der Außenschären. Weniger erfreulich ist, dass sich der Verdacht bestätigt: der Lichtmaschinenregler ist hinüber und damit fast alle unsere Möglichkeiten, die Batterien zu laden. Bleibt nur noch ein kleines Netzteil, das eigentlich nur zur Erhaltngsladung gedacht ist. Und wenn das nun auch noch kaputt geht…?
Am 18. Mai haben wir es endlich geschafft, der erste Hafen in den schwedischen Schären ist erreicht! Die Nachtfahrt auf dem Weg dorthin hatte es aber in sich: am Vortag brachen wir in Visby auf, zunächst zwar bei bestem Wetter aber dafür natürlich mit nur äußerst dürftigem Wind, mit dem selbst unser Regenbogen nicht viel anfangen konnte. Also wieder Dieselsegel. Später am Tag jedoch haben wir noch anständigen Segelwind bekommen und gut Strecke gemacht – so gut, dass wir zum Abend hin sogar die Segel verkleinert haben, um nicht zu schnell zu sein und mitten in der Nacht in die felsigen Schären zu fahren. Nun, diese Sorge erwies sich als vollkommen unbegründet, denn mit der Sonne verließ uns auch der Wind, und zwar so gründlich, dass wir praktisch nicht von der Stelle gekommen sind.
Abendstimmung unterwegs – nach wenigen Stunden gefolgt vom Sonnenaufgang
Zu allem Überfluss stellen wir mitten in der Nacht, pünktlich zur Wachablösung fest, dass unser Plotter kein GPS-Signal mehr empfängt und unsere Position nicht auf der elektronischen Seekarte erfassen kann. Ja, früher sind alle Segler ohne solche Hilfsmittel ausgekommen, aber wenn wir auf dem Weg in ein unbekanntes Revier sind, in dem man sehr leicht die Orientierung verliert und das von Untiefen und Unterwasserfelsen nur so wimmelt, möchten wir auf keinen Fall auf diese Unterstützung verzichten. So machen wir uns mitten in der Nacht an die Arbeit und versuchen das Problem zu lösen – natürlich keine schöne Art, sich eine Nacht um die Ohren zu schlagen, die eigentlich das Potential gehabt hätte, wunderschön zu sein: durch die kaum unterm Horizont versinkende Sonne wird es selbst nach Sonnenuntergang nicht vollkommen dunkel und das Licht und der Himmel sind die ganze Nacht über betörend schön, so dass die Nachtwache eigentlich überhaupt nicht schwer fällt (man muss sich nur warm einpacken, denn es ist doch noch recht kühl). Nach ein paar Stunden sendet das GPS wieder Daten, und am Vormittag laufen wir in Nynäshamn ein, das wir als Versorgungs- und Absprunghafen für unseren Törn durch die Schären auserkoren haben.
In Nynäshamn decken wir uns ein mit allem, was wir brauchen; sowohl Hafen als auch Stadt sind recht groß und lebhaft, das ist aus logistischen Gründen ganz fein so, aber ansonsten eher nichts für uns. Außerdem sind wir ja hier, um Natur zu sehen. Sobald wir also startklar sind, brechen wir unter Motor auf und sind schon bald in unserer allerersten Ankerbucht angekommen: Kolnäsviken auf der Insel Ornö. Die Bucht ist ringsum geschützt und ganz grün und ruhig. Da wir mit der Orion zum ersten Mal vorhaben, auf die skandinavische Art zu ankern – also vor Heckanker und mit Landleine vom Bug – ist es uns ganz recht ein stilles, sicheres Fleckchen für das erste Ankermanöver gefunden zu haben. Nicht beim ersten Anlauf aber auch nicht nach allzu langer Zeit gelingt es dann auch; durch die Rumpfform ist die Orion gut für dieses Manöver geeignet, denn auf den ersten Metern ist sie ganz flach, der Bug hängt deutlich über, so dass man dem Land ohne Gefahr nahe kommen kann. Außerdem ist das Wasser klar genug, dass man gut erkennen kann, wo der Grund ansteigt und flacher wird – wenn man sich erst mal an die andere Tiefenwahrnehmung durch die Lichtbrechung gewöhnt hat.
Wir sind überglücklich, endlich in der Natur zu liegen und auch endlich angekommen zu sein. Wie lange haben wir uns mit dieser Vorstellung während der langen, kalten Monate des Refits getröstet. Und nun sind wir da und können es kaum fassen.
Blick über die neblige Bucht Richtung Einfahrt
Nein, wir liegen nicht auf Grund, auch wenn es so aussehen mag
Wenn wir schon von Bord direkt an Land gehen können, muss ein Landgang natürlich sein. Die Insel ist dunkelgrün und wunderhübsch (wie wir später feststellen, alles andere als ein Einzelfall), der Kaufmann im winzigen Ort hat, wie es scheint, den Betrieb eingestellt und wir verbringen einen entspannten Abend an Bord mit einem herrlichen Ausblick auf Bäume, Felsen und Heidelbeerbüsche.
Am nächsten Tag dann geht es ins Paradies, unserem ersten Hauptziel auf dieser Reise. Das Paradies heißt eigentlich Paradiset (oder je nachdem, wo man liest, auch Paradisviken) und ist eine weitläufige, von mehreren Inseln gebildete Bucht mit zahlreichen Liegemöglichkeiten für alle Windverhältnisse; bei einem Chartertörn einige Jahre zuvor haben wir dieses wunderschöne Fleckchen kennen- und liebengelernt. Auf dem Weg dorthin bleibt wieder einmal der versprochene Wind aus, so dass wir, nachdem alle denkbaren Segelkonstellationen vergeblich getestet worden sind, doch motoren müssen. Nun ja, zumindest am Nachmittag kommt Wind auf, so dass wir den Regenbogen setzen können und uns zügig dem Ziel nähern. Unterwegs gehen uns fast die Augen über bei all den wunderschönen Anblicken ringsum.
Solche einsamen Felseninseln gibt es zu Hunderten und Tausenden in den Schären – und wir können uns kaum sattsehen
Und bei diesem strahlend blauen Himmel leuchten alle Farben besonders intensiv
Das ist unser Flecken im Paradies – kann man sich dran gewöhnen!
Und plötzlich sind wir schon da, die immer noch vertraute Öffnung in die Bucht liegt vor uns und wir fahren hinein. Was für ein langersehnter Moment! Wir schauen uns einige der Liegeplätze an und entscheiden uns für eine andere Stelle, als die, an der wir das letzte Mal gelegen haben – die Orion hat doch deutlich mehr Tiefgang als so eine gängige Charteryacht, das schränkt zuweilen die Möglichkeiten ein. Aber, wo wir liegen liegen wir gut: geschützt hinter einem großen Felsen und mit sehr bequemem Überstieg an Land. Es ist der 20. Mai und das heißt, wir bleiben ein paar Tage. Nachdem wir nun seit Wochen hierhergeeilt sind, wird es dafür aber auch Zeit.
Am nächsten Tag holt uns strahlender Sonnenschein aus dem Bett, nee, wie schön! Noch vor dem Frühstück wird das Wasser getestet – nun ja, für ein Vollbad reicht es nicht, es ist wirklich elendigst kalt … wir haben leider kein funktionierendes Wasserthermometer, aber viel mehr als 15° können es kaum sein, vielleicht auch weniger. Schade, dabei hätten wir gerne ab und an mal morgens eine Runde gedreht, wenn es sich anbietet. Aber wenn es dermaßen eisig ist, dämpft das die Motivation doch gehörig. Wir trösten uns mit Frühstück in der Sonne und weihen dann Schlauchboot und Außenborder ein, indem wir die erste Inseleinkaufstour erledigen.
Blick auf Ingmarsö vom Wasser aus – man sieht nicht viel vom Ort, denn die Häuser sind locker im Gelände verteilt
Supermärkte sind in den Schären eher rar gesät, erst recht in der Vorsaison, so dass man die Versorgung mit Frischware schon ein wenig planen muss. In Ingmarsö – 45 Minuten per Außenborder entfernt – sieht es noch genau so aus wie vor einigen Jahren und wir sind erstaunt, wie lebendig die Erinnerungen an den letzten Besuch geblieben sind.
Am Nachmittag erkunden wir “unsere” Insel Idholmen. Der Ausflug findet jedoch ein jähes Ende, weil es in Strömen anfängt zu regnen und wir eiligst an Bord zurückhasten, um diverse offenstehende Luken zu schließen – wie war das mit dem vorhergesagten Traumwetter? Bald aber scheint wieder die Sonne und wir beschließen den Abend mit einem Ausflug auf die Insel auf der anderen Seite der Bucht, dort wo wir beim letzen Mal gelegen haben. Mitten auf den großen, runden steinernen Walbuckeln schlagen wir auf einem Tisch aus Flechten unser Abendbrotpicknick auf und genießen: Luft, Anblick, Duft und nicht zuletzt das Essen.
Eine sehr stimmungsvolle Kulisse für ein Waldpicknick – schade, dass man den Duft nicht einfangen konnte
Abendstimmung in der Bucht – ein absoluter Traum!
Der nächste Tag ist der Tag der Tage und zünftig wird er mit Kaffee ans Bett und dann einem Bad im kühlen Nass begonnen, man will ja nicht schmuddelig ins neue Lebensjahr gehen, nicht wahr? Erfrischt (durchgefroren) lassen wir uns das Frühstück in der Sonne schmecken im Schutz unseres Moskitonetzes. Dass wir schon im Mai so viele Mücken haben würden (und die stechen auch schon ganz ordentlich) haben wir nicht erwartet und sind froh, wenigstens im Cockpit unsere Ruhe vor den Viechern zu haben. Auch den Rest des Tages lassen wir es uns gut gehen mit einem weiteren Erkundungsausflug über Stock und Stein, Kuchen, leckerem Abendessen und Abendstimmung bei Rotwein.
Eine Ankerbucht auf der Außenseite der Insel – sehr hübsch aber für uns ist die Einfahrt zu flach
Blick auf das Fahrwasser zwischen den Schären
Am nächsten Tag haben wir uns eigentlich ausdrücklich vorgenommen, so richtig faul zu sein – aber das eine oder andere gibt es ja doch immer zu tun. So verbringen wir einen halben Tag mit Kriegsrat und Pläneschmieden, denn für die nächsten Tage ist nicht allzu günstiges Wetter mit kräftigem Wind aus N-NO gemeldet. Also wälzen wir unsere Handbücher auf der Suche nach geeigneten windgeschützten Ecken. Außerdem sind wir im Laufe des Tages auf einmal nicht mehr allein an unserem Ankerplatz – Skandal! Ganz ungeniert quetschen sich noch drei weitere Boote in die kleine Bucht zu uns, so dass man sich fast so nahe kommt wie im Hafen. Tja, es ist Freitag und das sind dann wohl die Wochenend-Segler aus Stockholm, die in großer Zahl ausschwärmen, wann immer sich eine Gelegenheit bietet.
Naja, dann fällt es uns ein wenig leichter, die Weiterreise zu planen, auch wenn es hier einfach wunderschön ist und wir gerne wiederkommen wollen. Unsere Batterien müssten auch dringend mal wieder geladen werden und so lichten wir am Samstag den Anker und fahren eben in den ziemlich netten Hafen von Ingmarsö-Ort. Dort liegt man für wenig Geld gut, Strom und Wasser sind inklusive, Duschen sind gut und eine Sauna gibt es auch (und wird auch rege genutzt) … der einzige Wermutstropfen ist der in die offene Bucht immer hineinstehende Schwell von den vorüberfahrenden Booten. So ist es doch ein wenig unruhig.
Auf Stora Ravsön
Nach den letzten Erledigungen ziehen wir noch mit dem Schlauchboot los und erkunden die Bucht von Stora Ravsön, ausgiebiger Landgang inklusive. Meine Güte, auch da wieder ein wunderschöner Flecken Erde – die haben einfach echt viele davon, die Schweden.
So, genug ausgeruht, jetzt geht es weiter Richtung Norden – schließlich wollen wir in zehn Tagen in den Schären sein. So machen wir uns auf den Weg mit Ziel Grönhögen auf Öland. Zunächst scheint die Überfahrt unter keinem guten Stern zu stehen, denn Wind haben wir keinen und der Motor röhrt und röhrt … das passt nicht so wirklich zu den vorhergesagten 4-5 Bft. und wir ärgern uns. Gegen Mittag jedoch kommt doch noch eine Brise auf, die wir erst unter “Passatbesegelung” (beide Vorsegel im Schmetterling gesetzt – so ein Kutterrigg ist schon etwas praktisches), später bei wieder nachlassendem Wind unter Gennaker fahren. Endlich Stille!
Der Regenbogen ist wieder da, und die schwedische Gastlandflagge ist auch schon gesetzt
Und tatsächlich schaffen wir es, per Gennaker bis Grönhögen zu kommen – und nach 14 Stunden unterwegs wollen wir auch nur noch ankommen. Doch natürlich gibt es zum Schluss noch einmal Ärger: beim Bergen des Gennakers verheddert sich das Segel irgendwie mit dem Bergesack und lässt sich beim besten Willen nicht einholen, so dass uns letztlich nichts anderes bleibt, als es langsam über das Fieren des Falls herunterzulassen und aus dem Wasser zu bergen. Sehr ärgerlich das Ganze. Irgendwann haben wir es aber geschafft und können endlich in Grönhögen festmachen.
Dieser Hafen war als Station fest eingeplant, weil wir hier schon einmal in einem früheren Urlaub waren und schöne Erinnerungen an einige eingeregnete Tage haben. An sich sind sowohl Hafen als auch Ort recht unspektakulär, aber alles ist klein, verschlafen und einfach sympathisch. Und ganz wichtig: der lokale ICA-Supermarkt führt das beste Müsli, das es gibt! Wir decken uns am nächsten Morgen mit den wichtigsten schwedischen Spezialitäten ein und brechen gleich wieder auf – hoffen jedoch, auf dem Rückweg hier noch einmal vorbei zu kommen und zwar mit etwas mehr Zeit im Gepäck.
Eigentlich haben wir vor, für den nächsten Schlag so weit wie möglich an Öland hoch oder sogar über Nacht bis Visby auf Gotland zu kommen, doch die Dinge laufen überhaupt nicht nach Plan: zunächst schiebt uns ein anständiger halber Wind ganz ordentlich durch den
Kalmarsund und wir können unser nasses Gennaker setzen und trocknen.
Die Brücke über den Kalmarsund; darüber ein unheilvoller Himmel, der uns bald schon zur Umkehr zwingen wird
Leider verschlechtert sich das aber Wetter zusehends; Regen setzt ein, der Wind schläft ein und so muss der Diesel wieder ran. Das ist zwar kein Vergnügen, doch immerhin kommen wir voran. Dann jedoch kommt der Wind wieder, und zwar nicht etwa aus SW, wie vorhergesagt, sondern aus NO – schön von vorne. Mittlerweile sind wir an der engsten Stelle im Kalmarsund, die zu allem Überfluss auch noch von unzähligen Unterwasserfelsen übersät ist und hier entsteht durch den Gegenwind auch ein nicht unerheblicher Gegenstrom. Nachdem wir stundenlang gegenangebolzt haben, ohne nennenswert von der Stelle zu kommen, muss auch ich einsehen, dass das keinen Sinn hat. Widerwillig drehen wir ab und laufen nach Kalmar zurück. Da wir spät dran sind, ist kein Hafenmeister mehr aufzutreiben (es ist ja noch Vorsaison), also liegen wir wenigstens für lau, dafür aber ohne Zugang zu Sanitäreinrichtungen und WLAN. Nun ja, wir wollen ohnehin nicht bleiben.
Am nächsten Tag ist das Wetter wie ausgewechselt, statt grauer Regenwolken und Gegenwind erwartet uns heute ein strahlend blauer Himmel mit Flaute. Wie gut, dass wir einen großen Dieseltank haben. Segelspaß sieht anders aus aber wenigstens kommen wir so voran.
Blau in Blau und fast unwirklich- so ölig glattes
Wasser haben wir noch nicht oft zu Gesicht bekommen
Im Norden des Kalmarsundes liegt auch die Blå Jungfrun – die blaue Jungfrau
Nach 10 Stunden ununterbrochenem Geröhre haben wir aber genug vom Krach und machen in Byxelkrok im Norden Ölands fest anstatt nach Visby durchzufahren. Dort liegt man gerade jetzt in der Vorsaison sehr nett und günstig (im Sommer ist es sicher ein sehr belebter Hafen) und durch die vielen Sonnenstunden am Tag kommt regelrechte Sommerstimmung auf. Wir geben uns Mühe, einen gemütlichen Abend zu verbringen und das Beste aus der Situation zu machen.
Am Tag drauf dann sind wir endlich in Visby, Gotland angekommen. Leider wieder durch viele Stunden Motoreinsatz, denn von Wind kann nach wie vor keine Rede sein. Wir können es kaum abwarten, endlich in den Schären zu sein, wo wir ohne lange Schläge auskommen – wenn schon kein Wind weht, muss man sich dann wenigstens nicht 10 Stunden und mehr das Gedröhne anhören. Nun ja, erst einmal aber schauen wir uns Visby an und planen auch einen Hafentag mit Radtour ein.
Erster Blick auf Gotlands Kalksteinküste
Visbys umfangreich erhaltene alte Stadtmauer
Gotland gefällt uns sehr gut, auch wenn der Flieder nicht wie erhofft schon blüht (das war einer Hauptgründe, Gotland auf dem Weg in die Schären einzuplanen). Die Raukas, Kalksteinsäulen, sind dafür wirklich beeindruckend und wir würden auch gerne noch einmal mit mehr Zeit wiederkommen.
Die Jungfrau-Rauka – mit herzzerreißender Geschichte von zwei Liebenden inklusive, wie sich das für eine Sage gehört
Auch für Orchideenreichtum ist Gotland bekannt
Auch Visby gefällt uns, besonders der wirklich in beeindruckendem Umfang erhaltene alte Stadtkern, vom Hafen mitten in der Stadt sind wir aber nicht so angetan: überall wird man auf Schildern als Gast ermahnt, ja nicht zu spät nach der Ankunft einzuchecken und am Abreisetag auch ja nicht zu lange zu bleiben – doch bei unserer Ankunft ist es unmöglich, einen Hafenmeister aufzutreiben, auf dem Steg funktioniert der Strom nicht, die meisten Sanitäreinrichtungen sind in der Vorsaison nicht nutzbar und die vorhandenen Duschen sind eine ziemliche Enttäuschung (bestenfalls lauwarm, kaum Wasser). Für uns steht fest, dass wir bei einem weiteren Besuch auf Gotland einen anderen Hafen anlaufen werden.
Da uns für die nächsten Tage westliche Winde versprochen sind, halten wir uns gar nicht lange in Kiel auf – Skandinavien ruft. Der erste Schlag soll uns so weit in den Osten Dänemarks bringen, wie es möglich ist. Für Dänemark selbst nehmen wir uns diesmal keine Zeit, hauptsächlich sind wir mit Schweden verabredet und wollen deshalb so schnell wie möglich dort sein.
Der erste Schlag bringt uns bis Rødby, bei Wetter, das ausnahmsweise besser als vorhergesagt ist und Wind von hinten. So können wir auch zum ersten Mal in dieser Saison den Gennaker setzen, dessen Regenbogen immer wieder schön anzuschauen ist.
Erst versuchen wir es mit unserer “Passatbesegelung” – Klüver und Kutter als Schmetterling gefahren …
… doch die Bedingungen sind so günstig, dass der Gennaker auch mal spielen darf. Dieser Anblick bringt immer Freude!
In Rødbyhavn liegen wir zwar ziemlich trostlos, aber dafür wenigstens mit Strom, und da wir nicht bleiben wollen, stört uns das schmucklos-industrielle Hafenbecken auch nicht sonderlich.
Am Tag drauf brechen wir eigentlich mit Ziel Hesnæs auf, doch wir kommen in Christiansø an – nach unserer ersten Nachtfahrt. Die Bedingungen waren günstig, so dass wir gleich durchgefahren sind. Und erfreulicherweise verläuft unsere Nachtfahrt recht ruhig und ereignislos. Das AIS ist uns eine große Hilfe dabei, in den Verkehrstrennungsgebieten auch nachts den Überblick zu behalten, nur ziemlich kühl ist es draußen im Cockpit und der Autopilot steuert nicht zuverlässig genug, dass man ihn alleine lassen könnte (zu dumm, dass der eingebaute Kompass auf einem Stahlschiff nur äußerst mäßig seinen Dienst tut).
Unterwegs bekommen wir nicht viel zu sehen, hier Møns Klint im Vorbeifahren
Wir wechseln uns regelmäßig mit den Wachen ab, so ist die Nacht schnell vorbei – aber Schlaf bekommen wir beide nicht wirklich. Der nächste Tag ist nicht ganz so erfreulich, denn der Wind verlässt uns ziemlich gründlich und so läuft den ganzen Tag der Motor. Und das Geröhre wenn man ohnehin todmüde ist macht so gar keinen Spaß. Entsprechend froh sind wir, endlich auf Christiansø anzukommen. So früh in der Saison (falls man überhaupt schon von Saison sprechen kann) ist der sonst gerne überfüllte kleine Hafen fast leer und wir freuen uns darauf, hier erst mal eine kleine Pause einzulegen. Die haben wir nach den letzten langen und anstrengenden Tagen unterwegs auch nötig und die kleine Inselgruppe, die man eigentlich nur als lebendiges Museum bezeichnen kann, ist sowas von charmant, dass man auch gerne einen Tag länger bleibt.
Grauer Himmel, Totenflaute …
… da sind wir mehr als froh, Christiansø zu erblicken mit seinen schönen gelben Fassaden.
Blick auf die Hafeneinfahrt mit der ehemaligen Kaserne
Nachdem wir uns ordentlich ausgeschlafen haben, beginnen wir den nächsten Tag mit einem ganz ausgiebigen Bordfrühstück – selbstgebackene Brötchen inklusive. Eine so gut ausgestattete Pantry macht einfach Spaß!
Straßen gibt es keine, dafür eine Menge urwüchsiger Häuschen
Den Rest des Tages verbringen wir mit kleineren Arbeiten am Boot und Inselerkundung. Da keine Hunde und Katzen auf der Insel erlaubt sind, sind die im Mai überall brütenden Vögel (hauptsächlich Eiderenten, aber auch einen Schwan sehen wir) so etwas von tiefenentspannt, dass sie einfach überall ihre Nester gebaut haben – in Hecken, am Wegesrand, selbst mitten auf den Fußwegen. Und das eine oder andere Mal passiert es uns beinahe, dass wir über eine brütende Ente stolpern. So hautnah bekommt man so etwas nur selten zu Gesicht und es überrascht nicht, dass die Inseln auch eine beliebte Anlaufstation für Vogelbeobachter und Ornithologen sind.
Überall Frühlingsblumen …
… und brütende Eiderenten
Einfach reizend hier!
Und die Entenkindergärten erst!
Der Hafen-Basstölpel
Besonders kurios ist außerdem der einsame Basstölpel, der offenbar besonders enge Freundschaft mit einer Stromsäule am Hafen geschlossen hat und diese bei Annäherung auch energisch verteidigt.
Da die Wettervorhersage nicht so einladend ist (Starkwind, Regenschauer, Windböen), beschließen wir auch einen zweiten Tag zu bleiben, um dann ganz ausgeruht Richtung Öland aufzubrechen.
Übrigens: einen Geldautomaten gibt es auf der Insel nicht, also sollte man nicht ohne dänische Kronen kommen. Hafengebühren und eine Duschkarte kann man aber immerhin an einem Automaten auch mit Plastikgeld bezahlen.
Endlich ist es soweit, unser lange geplanter und ersehnter Ostseeurlaub beginnt! Die letzten Wochen waren noch einmal besonders hektisch, denn wir wollen mit einem Boot los, das möglichst wenig Ähnlichkeit mit einer Baustelle haben soll.
Am 1. Mai geht es (tidenbedingt) am frühen Nachmittag los bei nicht allzu frühlingshaften Bedingungen; pünktlich zum Aufbruch wird das Wetter natürlich schlechter nach einigen Wochen bei lauen Temperaturen und schönstem Sonnenschein. Nun aber bibbern wir ganz ordentlich – aber so ist das mit dem Wetter eben, man nimmt was man kriegt.
Unter bleiernem Himmel öffnet sich die Friesenbrücke in Weener für die passierenden Boote
Das Emssperrwerk ist die letzte Engstelle auf dem Weg aus der Ems heraus, danach ist man auf dem Dollart
Immerhin ist das Wetter an diesem Tag schön und der Borkumer Leuchtturm sieht vor blauem Himmel prächtig aus
Immerhin haben wir Wind aus NO, so kann man emsabwärts sogar die Segel setzen und nach guten 7 Stunden erreichen wir Borkum und machen im Schutzhafen fest. Da der Wind am folgenden Tag aus der ganz falschen Richtung weht, bleiben wir einen Tag auf Borkum und erkunden die Insel.
Die Orion rauscht durch das Wasser bei knackigem (und kaltem) Wind
Am nächsten Tag aber, ganz früh schon (um halb 7) brechen wir Richtung Helgoland auf, denn sonst ist der lange Schlag kaum zu schaffen. Wind weht ganz ordentlich und auch aus einer brauchbaren Richtung, so dass wir den größten Teil der Strecke unter Segeln am Wind zurücklegen können; bis auf die letzten Stunden, da muss der Motor mitschieben, wenn wir es bis zum Abend noch schaffen wollen. So kommen wir nach 14 Stunden durchgefroren und ziemlich erschlagen an, aber Hauptsache wir sind da! Von Helgoland ist es fast nur noch ein Katzensprung in die Elbe und der Nord-Ostsee-Kanal ruft.
So früh im Jahr kann man die Vögel sehr gut beim Nisten und Brüten beobachten, es lohnt, ein Fernglas bei sich zu haben
Die Basstölpel sind aus der Nähe betrachtet ein echter Blickfang und beeindruckend groß
Und natürlich darf das Wahrzeichen Helgolands, die lange Anna, nicht fehlen
Der nächste Tag ist dann spannend: wir haben vor, heute in den NOK einzuschleusen. Schon die Fahrt über die Elbe bei starkem Strom und ebenso starker Berufsschifffahrt ist nicht ohne, doch immerhin sind wir dank Flutstrom schon vor der geplanten Zeit vor der Schleuse Brunsbüttel.
Wir passieren unterwegs Cuxhaven mit seinem Radarturm
Und auch die “Alte Liebe” ist eine echte Cuxhavener Institution
Immer wieder sehen wir die gewaltigen Containerschiffe auf dem Weg Elbeinwärts
Da wir das erste Mal hier schleusen wollen, sind wir natürlich ein wenig aufgeregt – wird auch alles ohne Zwischenfälle klappen? Erfreulicherweise haben wir Glück: als wir uns dem Wartebereich nähern wird offensichtlich, dass bereits 3 weitere Boote auf eine Schleusung warten, und wie es scheint machen wir das Maß für die benötigte Menge an Booten voll, denn kaum, dass wir herangefahren sind, signalisiert uns die Lichtanlage auch, dass wir gleich einschleusen können. Wir sind froh, bei dem starken Strom nicht stundenlang Runden auf der Elbe drehen zu müssen und legen den Hebel auf den Tisch.
In der alten Schleuse – alles läuft viel unkomplizierter, als wir befürchtet haben
Da Berufsschiffe und Sportboote getrennt geschleust werden (in der neuen respektive alten Schleusenanlage), müssen wir uns auch keine Gedanken machen, ob und wie wir mit einem Containerschiff in die Schleuse passen. Und dank Schwimmpontons ist das Schleusen selbst auch ausgesprochen unproblematisch: wir machen einfach an den Pontons fest, die sich mit uns zusammen bewegen. Leinen nachführen nicht notwendig! Hinter der Schleuse können wir in einem kleinen Hafenbecken übernachten; es gibt zwar weder Strom noch Wasser, dafür aber sehr ordentliche sanitäre Anlagen und mit 10€ Liegegebühren können wir ganz gut leben.
Am Tag drauf geht es dann durch den Kanal, selbstredend nur unter Motor. In der Literatur wirken die Erläuterungen zu den diversen Lichtsignalen im Kanal noch reichlich unübersichtlich, doch in der Praxis stellt sich das ganze als letztlich simpel heraus. Wir fahren einfach durch, an Sportboote schien keines der Signale gerichtet zu sein – vielleicht hatten wir da aber auch nur Glück. Jedenfalls verläuft die Fahrt ohne Zwischenfälle und ist in der Hauptsache reichlich langweilig. Wir lösen uns beim Steuern ab und essen Schokolade alle erfolgreich überstandenen 10 Kilometer (die Schilder am Ufer machen es leicht, den Fortschritt im Auge zu behalten).
Das Passieren der ersten Brücke ist noch spannend, denn
es sieht scheinbar knapp aus – nur eine Illusion
Ja, wir haben tatsächlich die “Borussia Dortmund”
gesehen, original in den Vereinsfarben
Das ausgerechnet die Zahlen auf den Schildern am
schwierigsten zu übersetzen sein würden…
Eine der letzten Hängefähren der Welt ist hier in
Betrieb zu sehen
Der berühmte Schiffsausrüster Hermann Tiessen – heute ein Tango-Café
Das Ausschleusen am Abend verläuft wieder ganz ohne Zwischenfälle – dass es beim Durchqueren des NOK so glatt läuft, hätten wir uns ja kaum zu träumen gewagt und so sind wir entsprechend erleichtert, endlich in der Ostsee angekommen zu sein! Wir sind zum ersten Mal in Kiel-Holtenau und machen noch am gleichen Abend eine kleine Erkundungstour: der Frischproviant wird aufgestockt und wir statten dem Tiessenkai einen Besuch ab.
Nachdem sich im diesjährigen Sommertörn so viele Probleme mit den unfertigen Refit-Projekten auf der ‘Orion’ ergeben haben wurden die letzten zwei Monate verwendet, um wenigstens einige davon ihrer Fertigstellung näher zu bringen; und so nutzen wir ein Zeitfenster mit günstigen Wettervorhersagen, um nochmal ein paar Tage auf dem Wasser zu verbringen. Zwar können wir tidebedingt erst gegen Mittag aufbrechen, doch da ausnahmsweise mal alles reibungslos mitläuft erreichen wir am Abend ganz entspannt Borkum.
Genauso entspannt beginnt auch der nächste Tag, denn wieder erlaubt uns die Tide auszuschlafen; das Glück findet aber bei einem Blick in den Motorraum ein jähes Ende: da steht doch tatsächlich eine kleine Pfütze Getriebeöl unter der Maschine … und da waren sie wieder, die üblichen Probleme. Die Ursache der Leckage lässt sich nicht erkennen, und natürlich ist kein Ersatz an Bord; so brechen wir bei sehr schönen Wetter, aber doch mit recht gemischten Gefühlen nach Norderney auf, wo wir bei Sonnenuntergang einlaufen. Glücklicherweise ist die Getriebeölquelle trotz einiger Motorstunden offensichtlich versiegt – was sich auch nicht mehr ändern wird, so dass die ursächlichen Umstände für alle Zeit ein Geheimnis des Klabautermanns bleiben werden.
Am nächsten Morgen meint es die Tide nicht mehr so gut mit uns: gegen 6 verlassen wir bei Hochwasser den Hafen von Norderney. Der Lohn ist ein atemberaubend schöner Sonnenaufgang, während wir durchs Dovetief Richtung Helgoland gleiten.
Norderney bei Sonnenunter- …
… und -aufgang
Helgoland in Sicht!
Auch der Rest des Tages bringt beste Bedingungen: genau der richtige Segelwind, um unter Vollzeug durch die Wellen zu pflügen! Nach der durchaus etwas spannenden Querung des Verkehrstrennungsgebietes (wo wollen denn all die dicken Dampfer hin? Ach, nirgends, die liegen auf Reede!) erreichen wir so schon gegen 14 Uhr Helgoland. Obwohl die Saison schon so weit fortgeschritten ist, zeigt sich der Hafen voller als erhofft: wir machen als fünftes Boot im Päckchen fest, und im Laufe der folgenden Stunden kommen noch unzählige Boote herein. Der Abend bringt ein kräftiges Gewitter, doch gut geschützt unter der Kuchenbude stört uns das gar nicht.
Am folgenden Tag brechen die meisten Boote auf, wir dagegen planen einen Hafentag; unser reduziertes Päckchen besteht nur noch aus Feltz-Booten, einem Motorsegler und der ‘Josh’, einer Skorpion I, die gerade von einer fünfzehnmonatigen Atlantikrunde zurückgekehrt ist. Das Wetter zeigt sich halbwegs trocken, so dass wir einen Inselrundgang unternehmen; den Abend verbringen wir mit den Nachbarn beim Klönschnack.
Inselgäste …
… und ständige Bewohner
Abendhimmel überm Yachthafen
Tags darauf regnet es dafür an einem Stück; nein, das wollen wir uns nicht geben, also bleiben wir noch einen Tag auf Helgoland und backen lieber Kuchen an Bord. Viel besser wird es aber nicht, also brechen wir am kommenden Morgen in aller Frühe um 4 Uhr auf, um pünktlich bei Hochwasser am Dovetief zu sein. Das Wetter bleibt instabil, dauernd drohen dunkle Wolken, und wir beobachten sogar zwei Windhosen! Als wir aber Norderney erreicht haben, reißt der Himmel auf, und wir können sogar noch die Fahrräder auspacken.
Die Freude hält aber nicht an; am nächsten Tag regnet es die meiste Zeit, so dass wir nur einen kleinen Ausflug in den Ort machen, der für unseren Geschmack zu sehr vom Kurbetrieb geprägt ist. Erst am dritten Tag auf der Insel ist es dann trocken genug, um erst mit den Fahrrädern und dann zu Fuß bis zum östlichen Inselende vorzustoßen; den Aufenthalt auf Norderney beenden wir mit einem leckeren Fischessen im ‘Land und Meer’.
Rückfahrt
Der Rückweg beginnt aufregend: da kaum Wind ist haben wir uns entschieden, mit kräftigem Strom durchs Schluchtertief zu laufen, um nicht wieder mitten in der Nacht aufstehen zu müssen – ein Fehler! Vom windigen Wetter der vergangenen Tage steht noch eine lange Dünung, welche von Nordwest auf die Inseln zurollt; draußen auf See völlig unspektakulär, aber gegen drei Knoten Strom bildet sich auf den Flachs links und rechts eine beeindruckende Brandung! Wir halten auf die Mitte zwischen den weißen Brechern und werden ordentlich durchgeschüttelt, kommen aber ohne vom Fahrwasser abzukommen durch; wiederholen müssen wir diese Erfahrung aber nicht …
Die restliche Fahrt verläuft ruhig und hauptsächlich unter Motor; Wind kommt erst wieder auf, als wir am Tag darauf nach einer Nacht auf Borkum die Ems erreichen – natürlich genau von vorne … so erreichen wir schließlich Papenburg; das angekündigte Spätsommerwetter hat genau drei Tage gedauert, aber wir sind froh wenigstens diese noch genutzt zu haben!
Bei unverändert hochsommerlichen Temperaturen und kaum Wind verlassen wir Makkum am frühen Nachmittag, um in Kornwerderzand auszuschleusen und mit ablaufendem Wasser wieder Vlieland anzusteuern. Bei zunehmender Flaute zog es sich gegen Abend immer mehr zu und kühlte auch deutlich ab, so dass wir ganz froh waren gegen 21 Uhr anzukommen. Die kommenden drei Tage verbringen wir auf Vlieland – nicht ganz freiwillig: erst kommt der Wind aus der falschen Richtung, dann dreht er zwar auf Südwest, bläst aber auch mit 8 bis 9 Beaufort. Gute Bedingungen für Hafentage …
Am 24. verlassen wir dann aber endlich Vlieland mit Ziel Borkum: mit 77 Seemeilen die bislang längste Tagesdistanz! Es fängt wenig erbaulich an, denn die ersten zwei Stunden müssen wir uns mit dem Strom gegen den immer noch kräftigen Wind und die vom tagelangen Starkwind aufgewühlte See ankämpfen; dann aber können wir endlich auf Ostkurs gehen und mit ausgebaumten Vorsegeln in rauschender Fahrt auf Borkum zueilen, das wir nach dreizehnstündiger Fahrt schließlich erschöpft aber zufrieden mit dem Tag erreichen.
Um den Urlaub noch etwas ausklingen zu lassen (und nicht tidebedingt ganz so früh aufstehen zu müssen) verbringen wir noch einen Tag auf Borkum und packen auch noch einmal die Fahrräder aus, müssen aber feststellen, dass das Radwegenetz auf Borkum nicht annähernd mit dem auf Texel mithalten kann … wofür mag man hier wohl die dreifach höhere Kurtaxe ausgeben? So fällt es uns nicht allzu schwer, die Insel am nächsten Tag wieder zu verlassen und unter perfekten Bedingungen unter Segeln Papenburg zu erreichen.
Borkum: Dünen …
… und Strand
Gut drei Wochen waren wir unterwegs; der erste längere Törn mit der ‘Orion’ war geprägt von einer unerfreulichen Menge technischer Probleme, alle bedingt durch den doch noch sehr unfertigen Zustand – aber schöne Stunden entspannten Segelns, idyllische Landschaften und Orte sowie nette Bekanntschaften unterwegs haben uns dafür entschädigt!
Um den Gezeitenstrom gut nutzen zu können müssen wir früh aus Oudeschild aufbrechen; größtenteils unter Segeln erreichen wir Den Oever, wo wir zusammen mit zwei teenagerbeladenen Plattbodenschiffen ins Ijsselmeer schleusen. Der Wind frischt mehr und mehr auf, und schließlich beschließen wir den Motor hinzuzunehmen, um Medemblik ohne weitere Kreuzschläge erreichen zu können. Bei einem Kontrollblick in den Motorraum trifft uns allerdings fast der Schlag: literweise schwappt eine Flüssigkeit in der Bilge, die sich nach genauerer Inspektion als Kühlwasser entpuppt. Schöne Bescherung …
Nach der Ankunft in Medemblik ist die Ursache bald gefunden: es ist nicht etwa ein Schlauch geplatzt, sondern der Ausgleichsbehälter für die Kühlflüssigkeit ist schlicht und einfach übergelaufen. Mit dieser Erkenntnis war die Angelegenheit aber alles andere als erledigt: stundenlang haben wir uns abgekämpft, um die ätzende, blaue Brühe aus den hintersten Winkeln des Motorraums zu wischen. Dafür haben wir wenigstens noch einen ganz tollen Liegeplatz direkt vorm alten Kastell ergattern können!
… und Hafen in Medemblik
Auch der folgende Tag ist – außer von starkem Wind – von Reparaturen geprägt: stundenlang basteln wir an unserer Landstromversorgung, da irgendetwas immer wieder den FI-Schalter auslöst. Schließlich ist der Übeltäter identifiziert: der Boiler ist es. Den abgeklemmt, und wir haben wieder Strom an Bord. Bleibt noch Zeit für einen Spaziergang sowie Einkäufe im örtlichen Supermarkt, und schon ist es Abend.
Vorm Wind nach Stavoren
Am folgenden Tag brechen wir bei nachlassendem Südwestwind zu der nur 11 Seemeilen langen Überfahrt nach Stavoren auf – mit Gennaker vor dem Wind in weniger als zwei Stunden bei gefühlter Windstille und endlich mal sommerlichen Temperaturen viel zu kurz! Dort angekommen stellt sich heraus, dass wir knapp den Besuch des Königspaares verpasst haben – aber das aus diesem Anlass veranstaltete Volksfest ist noch in vollem Gange, und es gibt frische Stroopwafels!
Nach und nach füllte sich der Stadthafen mit einer Unmenge an plastikglänzenden Bénéteaus, die am nächsten Tag an einer Regatta teilnehmen wollten. Sportlich wie man so ist konnte auch eine unübersehbar aufziehende Unwetterfront diese nicht am Auslaufen hindern – etwas weniger sportlich kamen alle nach sehr kurzer Zeit unter hektischer Aktivität und zum Teil mit beschädigten Segeln wieder eingelaufen; na, wer’s braucht …
Mühsames Auslaufen der Regattateilnehmer …
… und die Ruhe nach dem Sturm
Makkumer Meerjungfrauen
Als neuen Päckchen-Nachbarn haben wir einen sehr netten Niederländer mit einer Albin Vega bekommen, mit dem zusammen wir am nächsten Tag unseren Weg nach Makkum fortgesetzt haben. Bei kräftigem Wind dort angelangt können wir uns den Liegeplatz an der ausgedehnten Steganlage gegenüber vom Fischereihafen frei aussuchen – es liegt nämlich niemand dort. Und da am kommenden Tag auch noch der Hochsommer ausbricht, legen wir noch einen Hafentag ein und genießen dort das Nichtstun!